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Freitag, 6. März 2026
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Marianne Wellershoff

Liebe Leserin, lieber Leser.

Wer vor allem andere für eigene Enttäuschungen verantwortlich macht, hängt in der Opferrolle fest. Doch es gibt Wege heraus: Diese drei Übungen können dabei helfen.

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Ihr Professor habe sie bedrängt und erniedrigt, habe sie und andere Studentinnen in sein Büro zur Modenschau eingeladen, dafür habe er sich »bis auf die Unterhose« entblößt. Der SPIEGEL hat 2022 über den Fall berichtet (S+), Franziska Saxler war damals 29 Jahre alt.

Zwei Jahre später hat Saxler dem SPIEGEL noch mal ein Interview gegeben (S+) : »Damals stand ich vor der Wahl: Entweder ich reiche offiziell Beschwerde gegen meinen Professor ein, oder ich schweige, so wie die meisten vor mir. Damit hätte ich aber dazu beigetragen, dass nach mir weitere Kolleginnen dieser Situation ausgesetzt werden würden. Also habe ich Beschwerde eingereicht.« Weitere elf Frauen sollen Beschwerde gegen den Professor eingereicht haben. Saxler verließ die Uni, als sie an einem Lehrstuhl in Bern die Chance bekam, mit einer neuen Promotion zu beginnen – über sexuelle Belästigung.

»Ich litt damals unter ständigen Albträumen, Angstzuständen und Flashbacks«, erzählt Saxler. Doch ein Opfer wollte sie nicht sein, und auch andere Frauen sollten es nicht werden. Mit ihrer Beschwerde nahm sie den Kampf auf. Wer Unrecht erlebt hat, entwickelt oft Schutzstrategien. Hier gibt es drei Varianten (mehr dazu in Schritt drei dieses Coachings (S+) ): Kampf (Rache, Kontrolle, Abwertung), Flucht (Rückzug, Ablenkung, Essen, Drogen) oder Erstarren (Funktionieren, Aushalten, Resignieren). Jede dieser Strategien hat Auswirkungen auf andere. Wer »alle Fäden in der Hand behalten will«, wird beginnen, andere zu kontrollieren. Wer neues Unrecht ausschließen will, zieht sich von anderen zurück.

SPIEGEL COACHING 1/2026

Das tut mir gut!

Wieso läuft wieder alles schief? Diese Frage stellen wir uns oft – denn was negativ ist und belastend, fällt uns mehr auf als das, was gut läuft. Wir können jedoch bewusst den Fokus wechseln, uns nicht mehr auf das konzentrieren, was nervt oder bedrückt, sondern auf unsere Ziele blicken und auf den Weg dorthin. Diese Ausgabe zeigt Ihnen, wie Sie solche Veränderungen in Ihrem Leben erreichen können.

Im vergangenen Schritt des Coachings (S+) ging es darum, sich vom Groll zu befreien, indem man Mitgefühl für den Täter entwickelt. Nun erfahren Sie im achten und letzten Schritt dieses Coachings »Enttäuschungen überwinden«, wie Sie ins Handeln kommen können.

Übung eins: Meine Schutzstrategien

Überlegen Sie, welche Schutzstrategien Sie einsetzen – und welche Wirkung diese auf andere haben. Notieren Sie Ihre Antworten in Ihrem Journal oder auf einem Zettel:

  • Kampf: zum Beispiel andere abwerten, einschüchtern, bedrohen, bekämpfen, kontrollieren, Vorwürfe machen, beleidigen, mobben … Welchen Effekt hat Ihr Verhalten auf andere (zum Beispiel Feindseligkeit, Rückzug, Misstrauen, Gefühl von Entwertung und Bevormundung)?

  • Flucht: zum Beispiel Themen, Orte, Personen vermeiden, die mit dem Unrecht zu tun haben. Welchen Effekt hat Ihr Verhalten auf andere (zum Beispiel diffuses Tretminen­gefühl wegen Tabuthemen, Einschränkungen bei gemeinsamen Aktivitäten)?

Tipp: Als Opfer fragt man eher: Was haben die anderen mit mir gemacht? Wechseln Sie deshalb mal die Perspektive, und fragen Sie sich, welche Wirkung Ihr eigenes Verhalten auf andere hat: Habe ich vielleicht mit meinen Notwehrstrategien Schaden angerichtet? Wie sieht der Schaden genau aus? Tut mir irgendein Verhalten leid? Welches? Möchte ich mich bei jemandem für etwas entschuldigen? Bei wem und wofür genau?

Übung zwei: Ich kann auch anders

Fragen Sie sich nun, welche Wirkung Ihr Verhalten eigentlich haben soll. Machen Sie sich dazu gern Notizen!

  • Bin ich mit meinen Ergebnissen in Beziehungen zufrieden? Falls nicht: Mit welchem Verhalten könnte ich einen Effekt erzielen, der besser zu meinen Bedürfnissen und Werten passt?

  • Wie sollen andere Menschen auf mich reagieren?

  • Wie müsste ich mich dazu verhalten, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass mir dies gelingt? Als Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Kollege, Freundin, Nachbar, Datingpartnerin?

Tipp: Sie können andere Personen nicht zu einem bestimmten Verhalten zwingen. Aber 50 Prozent der Interaktion liegen in Ihrer Hand!

Übung drei: Vergebung auf Hawaiianisch

Hawaiianer haben ein Vergebungsritual mit dem Namen Ho’oponopono entwickelt. Eigentlich vergeben und versöhnen sich zwei Kontrahenten, aber man kann es auch allein anwenden. Dabei übernimmt man Verantwortung fürs eigene Handeln und entwickelt Mitgefühl für die andere Person:

Legen Sie eine Hand aufs Herz und atmen Sie ein paarmal ruhig ein und aus. Stellen Sie sich die Person vor, die Ihnen ein Unrecht zugefügt oder Sie enttäuscht hat. Sprechen Sie dann die fünf Sätze des Rituals:

Ich vergebe dir.

Ich bitte dich um Vergebung.

Ich vergebe mir.

Ich liebe dich.

Ich liebe mich.

Führen Sie dieses Ritual nach und nach mit allen Personen durch, von denen Sie sich enttäuscht und verletzt fühlen.

Fiel es Ihnen schwer, Mitgefühl gegenüber einer bestimmten Person zu entwickeln oder ihr zu vergeben? Dann kann es sich lohnen, in drei bis sechs Monaten die Übungen dieses Coachings mit Blick auf diese Person zu wiederholen. Setzen Sie sich jetzt einen Termin dafür in Ihrem Kalender!

Extratipp: Sollten Sie eines Tages bemerken, dass die Restbelastung für eine Situation abgenommen hat, nehmen Sie den Unrechtszettel aus dem Behältnis und legen im Tausch etwas hinein, das Sie gern mögen (Süßigkeiten) oder schön finden (Steine, Muscheln). Sie haben sich die Belohnung verdient!

Damit endet dieses Coaching, das SPIEGEL Coaching gemeinsam mit der Kölner Psychotherapeutin Silke Brand entwickelt hat. Sie hat auch praxisorientierte Bücher mit vielen Übungen geschrieben, anhand derer Sie Ihren Umgang mit Enttäuschungen noch weiter verändern können. Falls die Enttäuschung immer noch groß ist, kann es hilfreich sein, einen Coach oder eine Therapeutin als Begleiter zu nehmen.

Hat Ihnen unser Coaching gefallen? Haben Sie Wünsche, würde ein bestimmtes Coaching-Thema Sie besonders interessieren? Schreiben Sie uns gern, wir freuen uns, von Ihnen zu hören: coaching@spiegel.de

Alle Folgen des Coachings »Enttäuschungen überwinden«

Ekaterina Goncharova / Getty Images

Schritt 1: Sperren Sie Ihre Schmerzen einfach in den Tresor (S+)

Schritt 2: Nehmen Sie Ihre eigenen Schmerzen ernst? (S+)

Schritt 3: Warum es gut ist, sich selbst zu bemitleiden (S+)

Schritt 4: So sagen Sie Ihrem Groll auf Nimmerwiedersehen (S+)

Schritt 5: Wollen Sie Ihrem Leben einen anderen Sinn geben? (S+)

Schritt 6: Hier ist Ihre Wut willkommen (S+)

Schritt 7: Warum es gut ist, Mitgefühl mit Menschen zu haben, die rücksichtslos und gemein sind (S+)

Schritt 8: Sie fühlen sich als Opfer? Dann sollten Sie handeln (S+)

Die letzte Folge dieses Coachings wird am 6. März 2026 veröffentlicht.

Interessieren Sie sich für weitere Coachings? Einen Überblick über unser Angebot finden Sie hier. Viele unserer Coachings gibt es auch als Podcast.

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