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SPIEGEL Klimabericht
Das Wichtigste zum größten Thema unserer Zeit
Freitag, 10. April 2026
Kurt Stukenberg

Liebe Leserin, lieber Leser.

Der Irankrieg und die Schließung der Straße von Hormus verursachten den größten Energieschock seit Jahrzehnten. Eine schon länger geplante neue Initiative zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas könnte nun ganz neuen Auftrieb erhalten.

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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Nach fünf Wochen Krieg ist den Menschen in der Region die wahrscheinlich schlimmste Eskalation gerade noch erspart geblieben. Anfang der Woche hatte Donald Trump Iran mit massiven Kriegsverbrechen gedroht, wenn Teheran seinen Forderungen nicht nachkomme. Am Dienstagabend folgte die spektakuläre Kehrtwende : Der US-Präsident verkündete eine zweiwöchige Waffenruhe. Wie es danach weitergeht und ob die Feuerpause überhaupt so lange hält, ist offen. Am Wochenende wird in Islamabad darüber verhandelt.

Seit Jahrzehnten wurde der Welt ihre Verwundbarkeit durch die Abhängigkeit von fossilen Energien nicht mehr so deutlich vor Augen geführt. Weil Iran die Straße von Hormus sperrte, über die ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wurde, fehlten der gesamten Weltwirtschaft zuletzt rund elf Millionen Barrel Öl pro Tag, rechnete die Internationale Energieagentur (IEA) vor. Selbst wenn die Meerenge für den Schiffsverkehr bald wieder frei befahrbar sein sollte, wäre die Energiekrise keinesfalls vorüber. Es dürfte lange dauern, bis die durch iranische Angriffe verursachten Schäden an Flüssigerdgasanlagen in Katar behoben sind.

Von fossilen Importen abhängige Staaten ziehen aus der aktuellen Lage teils unterschiedliche Schlüsse. Thailand etwa, so berichtet es die »Financial Times«, hat infolge des Irankriegs Kohlekraftwerke hochgefahren, um Energieengpässe auszugleichen, Japan und Südkorea haben demnach aus demselben Grund Beschränkungen für die Kohleverbrennung gelockert, und in Großbritannien wird wieder einmal über die Freigabe für neue Öl- und Gasförderungen in der Nordsee diskutiert . Unter anderem die EU-Kommission, China und Taiwan wollen dagegen jetzt stärker auf die Energiewende setzen (hier lesen Sie eine Übersicht). Was von diesen kurzfristigen Reaktionen auf die Krise bleibt, wenn die Preise für Öl und Gas nach einiger Zeit wieder sinken sollten, ist freilich unklar.

Passus zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas verhindert

Einen deutlich größeren und langfristigen Effekt könnte da ein Plan haben, der ausgerechnet jetzt auf einer Konferenz in Kolumbien konkreter diskutiert wird: Vertreter aus mehr als 40 Ländern treffen sich in zwei Wochen in Santa Marta, um einen Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energien zu erarbeiten – der erste Gipfel dieser Art überhaupt. Wichtige Staaten wie China, die USA oder Indien gehören offenbar nicht zu den Teilnehmern, dafür mehrere Staaten aus Europa, darunter Deutschland, und unter anderem Australien, Kanada und Mexiko.

Hervorgegangen ist die Gruppe aus dem letzten Klimagipfel im brasilianischen Belém, dort war es mehreren Petrostaaten, wie etwa Saudi-Arabien, noch gelungen, einen Passus zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas in der Abschlusserklärung zu verhindern. Zahlreiche Länder hatten sich daraufhin zu einer eigenen Konferenz zusammengefunden, die nun im April gemeinsam von Kolumbien und den Niederlanden ausgetragen wird.

Um einen Ausstieg auch wirklich umzusetzen, käme es auf mehrere Elemente an:

  • Die Staaten könnten sich zunächst verbindlich auf ein Moratorium für neue fossile Energieprojekte einigen.

  • Es bräuchte fest definierte Ausstiegsdaten nach Energieträgern, wobei das Ende der Kohleverfeuerung aus Klimaschutzgründen Priorität haben sollte. Industrieländer könnten dabei mit ehrgeizigeren Zielen vorangehen.

  • Um den Teilnehmerkreis der Länder möglichst groß zu halten, helfen Vereinbarungen über Unterstützung bei der Energiewende – vor allem in finanzieller Hinsicht. Auf Klimakonferenzen sorgt die Geldfrage regelmäßig für Konflikte.

  • Das Bündnis könnte sich außerdem auf einen schrittweisen Abbau aller fossilen Subventionen einigen. Weltweit belaufen sich diese jährlich auf rund sieben Billionen US-Dollar, zeigen Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Das Vorhaben ist gewaltig – hat aber bessere Realisierungschancen als so manche Initiative auf einem Klimagipfel. Denn anders als im System der Uno-Konferenzen, wo Konsens herrscht, könnte in Kolumbien kein Blockierer zentrale Vereinbarungen im Alleinhang verhindern. Damit steht die Konferenz für eine größere Strömung: Die Weiterentwicklung von Klimaschutz und Energiewende verlagert sich zunehmend aus den Klimagipfeln heraus und umfasst nicht mehr alle Länder gleichermaßen. Einige Staaten wollen ihre Volkswirtschaften besonders schnell dekarbonisieren, andere an bisherigen Geschäftsmodellen möglichst lange festhalten.

Diese Entwicklung kann auch in Rivalität zwischen zwei Blöcken, den Petrostaaten und den Elektrostaaten münden, wie mein Kollege Bernhard Zand in einem umfangreichen und sehr lesenswerten Report beschreibt. Ein Trend, der durch den Energieschock von Hormus sicher noch zunimmt.

Wenn Sie mögen, informieren wir Sie einmal in der Woche über das Wichtigste zur Klimakrise – Storys, Forschungsergebnisse und die neuesten Entwicklungen zum größten Thema unserer Zeit. Zum Newsletter-Abo kommen Sie hier.

Raffinerie von Marathon Petroleum in Carson, Kalifornien: der erste Gipfel dieser Art überhaupt

Raffinerie von Marathon Petroleum in Carson, Kalifornien: der erste Gipfel dieser Art überhaupt

Jae C. Hong / AP / dpa

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Bleiben Sie zuversichtlich

Ihr Kurt Stukenberg, stv. Ressortleiter Ausland

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